Christoph Scheuring: Artwork des Quartals

Reviewing S/T: << REW (Save Our Sperms SOS 16-19)

Wie man eine Box für seine Fans aufmacht, beweist die Frankfurter Undergroundband S/T mit ihrem Werk <<REW auf eindrucksvolle Weise. Mit dieser auf 100 Stück streng limitierten Box wird ein selbst gefertigtes ( ! ) Schmuckstück präsentiert, wie es leider gar zu selten auf dem Plattenmarkt vorkommt. <<REW wirkt, noch in seiner Plastik-Schutzhülle steckend, schon auf dem ersten Blick üppig. Nach dem Herausziehen aus der Hülle hält man einen kleinformatigen, festen und dicken Buchumschlag in den Händen. Allein schon dieses Artwork lässt einen innehalten: Man wird von dämonisch wirkenden Köpfen oder ähnlich wirkenden Fratzen angegafft, die in psychedelischem Stil verzerrt wurden.

Nach Aufklappen des Umschlags schaut man dann auf die volle Pracht. Die Box ist in zwei Teile gegliedert: Auf beiden Seiten steckt jeweils ein kleines, farbiges ca. DIN A4-Poster mit den Motiven der Aussenhülle, darunter versteckt jeweils zwei prall mit Musik gefüllte CDRs in liebevoll gestalteten Papiertaschen, samt Songinformationen. Dazu kommen noch zwei kleine s/w-Booklets mit Tracks samt Aufnahmedatum und Songtexten.

Kernstück der Box, und wahrlich nicht zu übersehen, ist das große Book(let) mit seinen über 150 Seiten. Hier finden sich so ziemlich alle Informationen über S/T aus ihren ersten zehn Jahren, egal ob Discographie, Konzerte, verrückte Erlebnisse, Plattenrezensionen aus Fanzines und Magazinen, und vieles mehr. Abgerundet wird das Booklet mit vielen Fotos und sonstigen Skurrilitäten. Alles ein bisschen crazy, aber keineswegs albern ! Also kein langweiliges Booklet, sondern vielmehr etwas zum Schmökern. Zu diesem Booklet, dessen Blätter nicht getackert oder miteinander verleimt sondern originell mit Schrauben befestigt sind, wird man garantiert häufiger greifen.

Auch der musikalische Inhalt von <<REW bietet dem S/T-Fan jede Menge an interessanten Neuigkeiten und Leckerbissen. Einige Songs übertreffen meiner Meinung nach vieles, was die Band vorher schon veröffentlichte. Also auch hier keine Box zum "schön stehen", sondern ein anspruchsvolles musikalische Werk mit Daseinsberechtigung. "Rew" ist durch und durch Handarbeit, und verdient es, regelmäßig gestreichelt zu werden.

Christoph Scheuring, Umo #3, 2003-03-24