Nach seinen frustrierenden Erfahrungen im Musikbusiness - ihm blieben die wohlverdienten Groschen seiner „Comeback“ Single verwährt - befand sich Horse Badorties in diesem kalten Winter zum Jahreswechsel anno 1993 über den wärmenden Lüftungsschächten eines wohlbekannten Konsumtempels ( wir können diesen leider nicht erwähnen, da momentan noch Verhandlungen über anstehende Sponsorengelder geführt werden ).
Er hämmerte frustrierend auf seinem japanischen Billig-Mini-Keyboard die normalerweise einschmeichelnde Melodie seines einzigen Hits „Get Happy!!“. Aber so recht wollte sich bei ihm die Einstellung zu diesem nicht einfinden, da seine Gedanken immer wieder abschweiften. Er füllte sich beobachtet, konnte aber trotz aller Bemühungen nicht lokalisieren, woher diese Bedrohung kam. Wieder und wieder versuchte er mit einem flüchtigen, verstohlenen Blick über den Rand seiner Blindenbrille den Ort der mystischen Bedrohung zu orten.
... Parallelhandlung / Ortswechsel ...
Ein gewisser Mr. L4A Miller, Enkel einer berühmt-berüchtigten Mrs. Miller, der er
seine erste Existenz als Second-Hand Gemüsehändler verdankte - mit Wehmut denkt er an diese Tonnen, Tonnen an Eiern und Tomaten, die sie ihm immer wieder besorgen konnte - auch heute noch ist ihm unbegreiflich, woher sie diese wohl hatte, und aus welch dunklen Kanälen sie sie ans Tageslicht beförderte. Es blieb ihr Geheimnis und auch auf ihrem Sterbebett wollte sie sich nicht erleichtern, sie sagte nur “CATCH A FALLING STAR“ und nahm dieses Geheimnis mit in ihre Ewigkeit... Auf jeden Fall wollte niemand dieses Angebot an Früchten, und er dachte über eine neue Existenz nach. Er wollte etwas tun, worin er wirklich gut war . Er überlegte und überlegte und übrig blieben eigentlich nur zwei Dinge: Er war einmal Kreismeister im Badewasserschlürfen und er konnte auch beachtlich gut singen, in der Badewanne stieg er zu ungeahnter Form auf.
Da sich sein Geschmack im Laufe der Zeit jedoch verändert hatte, denn welch normaler Mensch schlürft schon Badewasser, so blieb ihm nur noch die Liebe zur Musik. Er übte lange mit seinem Schlafzimmerspiegel und seinem Lieblingstennisschläger und als er sich reif fühlte zu höherem, beantwortete er 327 Inserate ... und bekam 327 Mal keine Antwort.
Er war soweit seiner Großmutter zu folgen, als er überraschend ein Angebot als Hausmeister des oben erwähnten Konsumtempels bekam ... und zuschlug. Seine Liebe zur Musik war fast erloschen, bis zu dem Moment als ihn in den unterirdischen Geschoßen des oben erwähnten Konsumtempels, die lieblichen Töne des ebenfalls schon oben erwähnten Horse Badorties’ Hits „Get Happy!!“ erreichte
... Szenenwechsel ...
Horse Badorties verfiel langsam in Trance, er wiederholte die Melodie wieder und wieder, bis er das Klirren der ihm zugeworfenen Münzen nur noch als entferntes Echo wahrnahm. Es war ihm mittlerweile anscheinend vollkommen egal geworden, daß die meisten Münzen in der Tiefe unterhalb des Gitters auf dem er saß, verschwanden, und die wenigsten seine Norweger-Pudelmütze erreichten.
Doch plötzlich erreichten sein absolutes Gehör Harmonien, menschliche Harmonien, die sich zu Worten formten. Die Worte reihten sich aneinander, ein Refrain tauchte auf, verschwand wieder. Und Horse Badorties dachte nur noch: “Nun holen sie mich“.
Doch da hörte er unter sich ein Gräusch. Er schreckte aus seiner Lethargie auf und warf sein letztes ihm verbliebenes Streichholz, mit dem er eigentlich seine letzte halbgerauchte Kippe anzünden wollte, in den Schacht unter ihm und sah gerade noch eine Mann in einem grauen Hausmeisterkittel weghuschen.
Jawoll , gut kombiniert! Wir sind wieder bei Mr. Miller. Denn wie ihr schon richtig vermutet: es ist etwas weltbewegendes passiert: Der Urknall, der Urton unser aller Lieblingscombo: S/T.
Wie es mit den Beiden weiterging, darüber streiten sich die Musikhistoriker bis heute. Als gesichert angenommen werden kann allerdings, und darin sind sich die meisten Koryphäen auf diesem Gebiet einig: Irgendwann teilten sich die beiden ihre Einnahmen die sie in der Mütze bzw. in dem Schacht fanden und taten sich zusammen.
Danach sind sie nie mehr öffentlich aufgetreten. Sie beabsichtigen aber fortan, da sie wie geschaffen füreinander scheinen, ihre musikalischen Kleinoden via den heutzutage verpöhnten Plastikscheiben unters Volk zu bringen. Nur wenige, da sie denken, daß es auf der ganzen Welt vielleicht 50 Menschen gibt, die ihre seltsamen Tonkonstruktionen zu schätzen wissen ...
Wie sagte schon damals Oma Miller ganz richtig: „CATCH A FALLING STAR“.